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Als am 31.08.2004 mit „A.D.I.O.Z.“ die letzten Noten der Onkelz in der Arena Nova, Wiener Neustadt, verhallt waren, hatte wohl niemand ernsthaft daran geglaubt, dass es über 12 Jahre später ein Wiedersehen mit der Band geben würde. Es bedurfte schon sehr viel Fantasie und eine gute Prise Onkelzmanie, um vorherzusehen, was heute Abend Realität wurde: Die Onkelz sind in der Stadt!

Thees Uhlmann sagte einmal in einem Interview 2013 mit der Kronen-Zeitung: „Berlin will was, und Wien ist was“. Das trifft es ziemlich gut, denn nicht nur ich bin von den Eindrücken der Stadt und den Menschen, die sie beleben, schwer beeindruckt. Wir kommen mit dem Nighliner schon am Dienstagnachmittag in Wien an und nutzen den verbleibenden Abend für einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Die Band folgt uns einen Tag später. Als die Sonne hinter den Altbauten Wiens verschwindet, weht uns ein deutlich eisigerer Wind entgegen, als das noch beim Einsteigen in den Bus in Stuttgart der Fall war. Gut, dass ich meine Mütze im Zimmer gelassen und meine Winterjacke schon in Frankfurt im Hotel vergessen habe, denke ich. Nach gefühlten 57 Kilometern, die in Wirklichkeit nur 3 Kilometer waren, treffen wir uns mit Stephan Weiler, dem euch bekannten Keyboarder der Band. Es treibt uns auf einen kleinen Weihnachtsmarkt der TU Wien, wo wir zum ersten Mal so ein bisschen Flair der Stadt atmen können. Kleine Stände mit Studenten, bunt durchmischt mit allen gesellschaftlichen Schichten, vereint am Glühweinstand. Hier offenbart sich ein erster Unterschied zu Berlin: Der Berliner ist gern unter sich, sucht seinesgleichen, in seinem Bezirk. Der ursprüngliche Charme vieler Stadtteile, ist leider dem neuen „Chic“ und dem „Szene-Kiez“ gewichen. Wien wirkt auf mich, auf den ersten Blick, durchmischter, interessanter vom Stadtbild und insgesamt irgendwie persönlicher. Wir beschließen, den kommenden Off-Day für einen erneuten Spaziergang durch Wien zu nutzen.

Mehr als 15 Kilometer legen wir (Christian unser Fotograf, Micha der Backliner vom Gonzo und ich) zurück. Chris, der Backliner vom Stephan, ist leider nach der erweiterten Kneipentour vom Vorabend mit Stephan Weiler noch „verhindert“ und muss passen. Unser Weg führt uns durch enge Gasse, die den Charme von Venedig versprühen und Fußgängerzonen, die an die Frankfurter Zeil, oder dem Kurfürstendamm erinnern. Was ich sehr sympathisch finde, sind die kleinen Läden, die noch nicht von großen Ketten verdrängt wurden. Fachhandel, der auf Vertrauen und Beratung fußt und nicht vordergründig der Gewinnmaximierung großer Konzerne dient. Wo gibt es denn noch die kleinen Fotoläden, Modelleisenbahnfachhandel, oder kleine Boutiquen, die den H&M´s dieser Welt trotzen können? Alles weicht der globalisierenden Welt, die Monopole großer Einkaufsketten werden immer größer, der Fachhandel mit bester Beratung muss weichen. Alles kein Geheimnis und jeden Tag objektivierbar. In Wien, so erscheint es mir, ist eine gesunde Mischung zwischen Konzern und Fachhandel gefunden, sodass jeder für sich entscheiden kann, wen er unterstützen möchte. Bevor mein Bericht jetzt aber zu einer Hommage an Wien entartet, möchte ich mein Versprechen einlösen und euch einen ersten kleinen Einblick hinter die Kulissen der Produktion geben.

Die so genannte „Travel-Party“, also die feste Crew, umfasst knapp 150 Leute und fährt mit insgesamt 6 Nightlinern. Da hätten wir zum Beispiel die Tourcrew, die aus knapp 80 Personen besteht, die Security, die zwei feste Security für die Band beinhaltet und jeweils auf lokale Kräfte zurückgreift, die Caterer, die mit acht festen Leuten und lokalen Kräften arbeiten, die Mercher, die mit 15 Leuten und eigenem Nightliner unterwegs sind, die Busfahrer, die zu sechst uns von A nach B bringen, die Trucker, die mit 27 Leuten und 25 Sattelschleppern die komplette Technik bewegen und die Kameraleute, die mit 5 festen Leuten jeden Moment der Tour festhalten. Die Merch-Crew bewegt übrigens von Stadt zu Stadt insgesamt 80 Tonnen Merchandise!

Ich hab mir mal von Jochen, der das Catering auf der Tour macht, eine kleine Einkaufsliste geben lassen, was die Produktion pro Stadt (!) an Lebensmitteln ordert: Da hätten wir zum Beispiel ca. 70 Kilo Fleisch, 30 Kilo Gemüse, etwa 1.000 Getränke (ca. 500 Liter), ca. 40 Liter Milch, 350 Eier und etwa 40 Kilo Kartoffeln. An genügend Möglichkeiten zur Stärkung mangelt es uns also nicht. Das ist aber auch nötig, denn die ersten Teile der Crew werden bereits um 2:30 Uhr vom Hotel abgeholt und beginnen gegen 3 Uhr mit dem Aufbau der Bühne. Alles minutiös geplant und durchgetaktet. Die Produktionsleitung hat die volle Verantwortung, dass jeden Abend die Bühne pünktlich steht und der Zeitplan eingehalten wird. Nebenbei verbraucht das Büro pro Showabend etwa 500 Blatt Papier und mindestens eine Druckerpatrone, was nicht unwesentlich damit zusammenhängt, dass uns unsere Beschilderung, die z. B. den Friendsbereich ausschildert, jeden Abend „abhanden“ kommt und deshalb pro Stadt jedes Mal neu gedruckt werden muss.

Auch in Wien greifen alle Gewerke nahtlos ineinander, sodass der Einlass pünktlich um 18:30 Uhr beginnen kann. Es hat sich mittlerweile als Ritual gefestigt, dass Christian und ich etwa 10 Minuten vor Einlass zum Eingang gehen, um einen ersten Eindruck der Stimmung zu bekommen. Trotz starkem Wind und eisiger Kälte verharren die ersten Fans schon seit 12 Uhr (!) mittags vor der Halle. Der Vorplatz füllt sich nun zusehends und die ersten Chöre werden angestimmt. Man kann die Vorfreude der Leute deutlich in ihren Augen ablesen. Das verspricht eine gelungene Rückkehr nach Österreich zu werden, lege ich mich früh fest.

Die Wiener Stadthalle, ist wie ich finde, neben der Frankfurter Festhalle, die bisher schönste Halle der Tour. Sofern man Tonnen aus Stahl mit meterhohen Tribünen überhaupt mit „schön“ assoziieren kann. Insbesondere nach dem Konzert, wenn der Innenraum einen Schlachtfeld gleicht. Laut Webseite der Halle passen hier etwa 16.000 Menschen hinein. Damit ist sie nicht nur die größte Halle Österreichs, sondern zählt auch zu den größten Hallen der Tour. Besonders imposant sind die extrem hohen und steilen Ränge, links und rechts neben der Bühne. Hier hat bereits alles gespielt, was im Musikbusiness Rang und Namen (verdient) hat, wie eine riesige Tafel am Einlass zeigt.

Überall an den Eingängen stehen hilfsbereite, freundliche Damen und Herren, die jedem Onkelzfan auf der Tribüne seinen Platz zeigen. Und sitzt mal jemand falsch, wird getreu dem Motto „Ois hoib so wüd“, auch der Letzte auf die Ränge verteilt. Alle da? Dann kann es ja jetzt losgehen!

„Oh, wie ist das schön, Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön!“ – Wer bereits so nach mehr als 12 Jahren Abstinenz begrüßt wird, ohne eine einzige Note gespielt zu haben, der kann mit Fug und Recht behaupten, die geilsten Fans der Welt zu haben. Apropos, die geilsten Fans: Ein Wiedersehen der besonderen Art erleben heute auch Jorie und Elizabeth, die extra aus Chicago und Kalifornien angereist sind, um die Onkelz wiederzusehen, deren Musik sie bereits seit Jahrzehnten hören. Was dann folgt, knüpft nahtlos daran an, wo wir in Stuttgart II aufgehört haben. Die „alten Schinken“, wie Stephan sie nennt, zünden ohne Vorwarnung: „10 Jahre“, „Nie wieder“ und „Gehasst, verdammt, vergöttert“ lösen direkt ein mittelschweres Beben in der Stadthalle aus. Fast 30.000 Hände finden gemeinsam die Wahrheit und obwohl Stephan heute gesundheitlich angeschlagen ist, tut das der Spielfreude der Band insgesamt keinen Abbruch. Kevin kompensiert die teils fehlenden Backings mit bester Stimme und kann das hohe Niveau bis zum Schluss halten. Unterstützt wird er von den feiernden Neffen und Nichten, die getreu dem Motto „Des letzte Hemd hot kane Sackln“ zwei Stunden Vollgas geben. Vollgas gibt auch Pe, der die Bassdrum so heftig malträtiert, dass das Mikro für die Abnahme kurzeitig ausfällt. Die Band nimmt es mit Humor und Gonzo überbrückt die Zeit der Reparatur mit Anekdoten vom legendären „Live in Vienna“ 1991. Stephan ergänzt, dass er damals mit Auge zusammen ins Publikum gesprungen ist, um ein paar Nazis aus der Halle zu werfen.

Bei der Ansage zu „Wo auch immer wir stehen“, die Stephan bei jedem Konzert mit voller Überzeugung und Demut macht, gibt es nach Stuttgart erneut „Kevin, Kevin“ Sprechchöre. Dieser ist abermals sichtlich beeindruckt und gerührt. Kevins zweites Leben war die Basis für die Reunion der Onkelz. Die Band empfindet es jeden Abend aufs Neue als großes Geschenk, dass sie nach so vielen Jahren immer noch mit offenen Armen in jeder Stadt empfangen wird. Auch das dürfte es weltweit noch nicht so häufig gegeben haben. Spätestens im Zugabenblock hält es niemanden mehr sitzend auf den Rängen und Wien feiert gemeinsam ausgelassen zu „Mexico“ und „Erinnerungen“. Damit endet ein mehr als gelungenes Wiedersehen in Österreichs schöner Hauptstadt. Nach nur 5 Stunden Abbau ist die Halle komplett geräumt und die Sattelschlepper machen sich auf den Weg nach Zürich, wo am Sonntag das Bergfest der Tour gefeiert wird.

Stephan: „Wir brauchen nur euch und uns. Die Anderen da draußen können uns am Arsch lecken“. Was er damit meint, liegt auf der Hand: Es bedarf nur die Band und euch, um die Onkelz leben zu lassen. Kein Radio, kein TV, keine akkreditierten Journalisten, all das haben wir nie gebraucht und werden wir nie brauchen.

Servas,
Marco Matthes

 

Fotocredits: www.christianthiele.de

 

14 comments

  1. Thomas Praschl - 7. Dezember 2016 16:57

    Der Auftritt war einer der geilsten die ich je gesehen habe und mein erstes war Tour 2002, dann Tour 2004, Lausitzring (Abschluss), Hockenheim 2014 / 2015, hab also ein bisschen Erfahrung!
    Was die „Fanz“ angeht, das schlimmste Konzert ever! Das ging schon im Zug an, das gleiche vor der Halle man wurde immer nur scheisse angemacht!
    Das sagte sogar Stephan mal in einem Interview dass die Österreicher ein wenig „krasser“ sind.
    Aber genau das gehört zu einem Onkelz Konzert!!!!
    Und ich freue mich einfach nur auf das nächste Konzert in Deutschland, das ist kein Vergleich! Und ich muss dazusagen dass alle die sich in Gruppen die Fresse sufreissen trauten alle nach 2005 „Fanz“ geworden sind.
    Sorry aber es ist kein Klischee, die neuen Onkelz „Fanz“ tragen nicht mehr unseren Spirit!!!!!

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  2. deronkel - 6. Dezember 2016 16:46

    Heute komm ich HANOVER!

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  3. Silke - 5. Dezember 2016 01:53

    So zurück von einem weiteren Konzert der Onkelz……und ich kann nur eins dazu sagen…die Stimmung des Publikums war um das doppelte besser in Stuttgart als in Zürich. Liebe Schweitzer es tut mir echt leid das ich über euch schimpfe war so war leider mein Empfinden.Freu mich schon auf das nächste Konzert ….gute Nacht alle zusammen

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    • Schwei zer - 6. Dezember 2016 12:19

      Liebe Silke

      Vielleicht war es das Adrenalin, das noch durch deinen Körper schoss, vielleicht die Müdigkeit oder der Alkohol. Dass du es aber mit deinem mit Fehlern gespickten Post fertig bringst, aufgrund deiner subjektiven Wahrnehmung doch gut 8 Mio Menschen in den gleichen Topf zu werfen, sagt eventuell auch einiges über deinen Charakter aus. Trotzdem viel Spass an den nächsten Auftritten, die du hoffentlich mehr geniessen kannst.

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  4. Michael S - 5. Dezember 2016 01:45

    Nach Hockenheim war das mein zweites Onkelz Konzert und ich freue mich schon auf das nächste. Es war eine geile Party. Bis bald

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  5. Tobi - 4. Dezember 2016 12:03

    Wahnsinns Konzi

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  6. pepe - 4. Dezember 2016 10:45

    hi onkelz,
    bin aus Hamm mit meiner Frau angereist…. und haben uns um den Konzertabend noch ein pasr Tage Wien gegönnt.

    Alles in allem ein gelungener Kurztrip.
    Zu Wien muss man eigentlich nichts mehr sagen.., einfach Traumhaft….
    und das Konzert einfach der Hammer…
    Habt mega gas gegeben…
    die neuen songs klingen live sehr geil…
    An Kevin:
    schön zu hören wieviel Power wieder aus deiner Kehle kommt und wieviel Spass du auf der Bühne hast.
    An Gonzo:
    was soll man sagen ….
    hast in die seiten gehauen als gäbe es kein Morgen mehr…,
    Pe:
    lass die Technik heile :-)
    Stephan:
    ich hoffe deiner Stimme geht es wieder besser so dass du auch wieder stimmlich zeigen kannst wie breit Dein innerliches Grinsen ist.

    Freue mich jetzt schon wie bolle auf Hamburg…

    Gute Reise noch
    „wir leben !!!!“

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  7. Stefan Schedl - 4. Dezember 2016 09:15

    DANKE an Herrn Kevin Russell!!!
    Ich hab mich so gefreut das er kurz mei alte Böhse Onkelz
    KAPPE oben kobt hod, warn nur 10sek oda so….
    Ich war der was die KAPPE rauf geworfen hod…..
    Konzert war hama hama geil

    Antworten
    • Stefan Schedl - 4. Dezember 2016 09:51

      DANKE an Herrn Kevin Russell!!!
      Ich hab mich so extrem gefreut das er kurz mei alte Böhse Onkelz
      KAPPE oben kobt hod, warn nur 10sek oda so….
      Ich war der was die KAPPE rauf geworfen hod…..
      Konzert war hama hama geil

      Ps- alte Kappe weg neue Kappe gekauft:-)

      Antworten
  8. andi 80 - 4. Dezember 2016 08:34

    Heute ist es endlich so weit…
    Das Hallenstadion wird von der grössten Familie eingenommen und beben 🤘🏻🤘🏻🤘🏻

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  9. David Hendel - 4. Dezember 2016 02:25

    Jungs,
    ich finde eines eurer besten lieder ist „Entfache diese Feuer“. Was ist da passiert? Nach diesen Lied?
    Euer Fan
    David

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  10. mentos - 3. Dezember 2016 19:39

    Da habt ihr aber den süßesten aller Onkelzengel fotografiert. Traumfrau! Dicken Knutscher!

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  11. walter w - 3. Dezember 2016 19:03

    Es war nur geil nach dem hockenheimring wieder mal in österreich nur geil ich versuche noch karten für Frankfurt am 22 zu bekommen mus sie noch mal sehen bevor ich wieder 1 jahr warten muss

    Kevin seine Stimme wird immer besser man merkt er ist voll fit und hoffe es bleibt so und wir haben die onkelz länger

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  12. koli1 - 3. Dezember 2016 16:29

    Danke es war der Wahnsinn einfach nur geil…….Tolle neue Leute kennen gelernt fett Party gefeiert,einfach ein gelungener Tag was will man meh???
    Vielleicht hat Gonzo das nächste mal ja ein Bier für die erste Reihe………
    Man sieht sich. Bis dahin noch viel Spaß auf der Tour und alles Gute

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