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2016-12-12_hamburg_0169

Wenn man sich in der Rückschau die Tourtagebuchberichte dieses Jahres durchlesen wird, so wird eine Sache vermutlich alle zwanzig Berichte verbinden: Die immer wieder wiederkehrende Betonung, wie viel Freude die vier Jungs aus Frankfurt beim gemeinsamen Spielen auf den Bühnen der Republik haben. Und in Hamburg war es gestern genauso.

Über zehntausend Leute passen in die Barclaycard-Arena und die war gestern Abend – natürlich – ausverkauft. Bis unter den letzten Rang gefüllt. Wir haben es uns ja zur Angewohnheit gemacht, vor den Shows (in der Regel sogar vor dem Einlass) ein 360 Grad Foto zu posten, das euch einen kleinen Eindruck dessen geben soll, wie so eine leere Arena aussieht, in der nur die fette Bühne steht, fast so, als wäre sie das vergessene Relikt einer außerirdischen Spezies, die das Teil hier abgestellt, aber nicht wieder eingesammelt haben.

Ebenso haben wir es uns zur Angewohnheit gemacht, jedes Mal – kurz bevor sich die Schleusen öffnen – ein Stimmungsbild einzufangen. Zu gucken, was bei den Fans geht, die ja auf dieser Tour mitunter vor der Herausforderung stehen, bei frostigen Temperaturen viele Stunden am Einlass auf den Einlass zu warten. Und wir machen dabei die verschiedensten Beobachtungen. Jede Stadt, halt, jeder Abend gibt ein anderes Bild ab. Gestern war es schon vor dem Einlass sehr kribbelig, denn wir alle erinnern uns noch an den 05.10.2004. Es war ein besonderer Tag. Für mich gar in zweifacher Hinsicht. Zum einen, und das ist der unwichtigere Teil, wurde ich an jenem Tag 22 Jahre jung. Zum anderen spielten die Onkelz am 05.10.04 ihr letztes Konzert in Hamburg, genau in dieser Arena, die zu der Zeit noch Color-Line-Arena hieß, und zu deren Ehren die Onkelz damals nur über Umwege kamen. Lange ist es hier und sie, nein wir alle, dachten, dass es das letzte Hallenkonzert der Onkelz für immer bleiben sollte. Dass es das nicht ist, dass die einzigen Tränen, die heute Abend fließen würden, Freudentränen seien, war damals undenkbar. Eine Sache ist fast immer gleich: Sobald sich die Tore um 17.30 öffnen, teilt sich der Strom der Onkelz-Fans in drei Teile. Der Einlass verläuft mit hanseatischer Ruhe. Die ganz jungen und wilden Fans, die rennen sofort und ohne Angst vor den tückischen Fallen des eigenen Gleichgewichts, in Richtung Innenraum, um sich den besten Platz direkt vor der Bühne zu sichern. Das andere Fanlager belagert direkt den Merchandise-Stand, um sich noch schnell mit der passenden Abendgarderobe auszustatten, und nicht minder wenige gehen es erst mal bei einem Bier ruhiger an. Es macht jeden Abend aufs Neue großen Spaß, euch bei euren Einlassritualien zuzusehen. Apropos Merchandise: Was die Mädels und Jungs hier ebenfalls, wie alle Teile der Crew, jeden Tag leisten, kann nicht hoch genug angerechnet werden. Immer freundlich, immer hilfsbereit und mit einem ganzen Strauß buntester Tour-Anekdoten ausgestattet, die sie immer wieder gerne erzählen, wenn man sie danach fragt. Du willst wissen, was echte Verbundenheit bedeutet? Gönn dir ein paar Minuten Auszeit und quatsch mit unseren Merchern über ihre Fan-Erlebnisse.

Ich gönne mir ein paar Minuten vor der Halle und spreche mit manch bekanntem Fan-Gesicht. Teilweise habe ich die Leute schon zehn Jahre oder länger nicht mehr gesehen, alte B.O.S.C. Mitglieder, alte Hardcore-Fans und ich freue mich, über jedes Gespräch.

Zurück in die Barclaycard-Arena: Mich beeindruckt ebenfalls immer wieder die gewaltige Architektur dieser Schüsseln, in denen die Memento-Tour gastiert. Multifunktions-Arenen, so nennen sie sich immer dann, wenn neben dem Rock`n`Roll Abriss, der stattfindet, sobald die Onkelz in der Stadt sind, auch noch andere Aktivitäten stattfinden. Ich verlaufe mich ja immer in ihnen, aber das liegt grundsätzlich mehr an meinem praktisch nicht vorhandenem Orientierungssinn, als an der inneren Logik der Hallengänge. Sehr zum Amüsement meiner Kollegen, die sich schon in Bremen über meine Hilflosigkeit beim Suchen nach der passenden Tür unterhalten gefühlt haben.

Nach so vielen Shows muss noch mal die Leistung von Beasto Blanco gewürdigt werden. Ich finde, dass die Band eine verdammt geile Show abreisst und jeden Abend dafür sorgt, dass ihr auf Betriebstemperatur gebracht werdet. Dass das nicht immer einfach ist, für die Onkelz den Support zu machen, und jeder eurer „Wir wollen die Onkelz hör`n!“ Chöre sympathisch zurückgespielt wird, ist nicht selbstverständlich. Ich denke, die Beastos wissen zu schätzen, was für eine fette Gelegenheit sie hier haben, und ihr wisst zu schätzen, was das an Eiern benötigt, vor unserer Lieblingsband zu spielen.

Ich liebe den Moment, in dem das Hallenlicht ausgeht und es nur noch wenige Sekunden sind, die die Band von euch trennen. Wenn dann das Intro vorbei ist, die ersten Töne von „Gott hat ein Problem“ erklingen und Kevins Erscheinen auf der Bühne das Startsignal zum Freidrehen gibt, ist eigentlich klar, dass es einfach keine bessere Lehrstunde im Rock geben kann, als diese zwei folgenden. Der frenetische Beifall, den ihr automatisch abgebt, sobald Kevin die Bühne betritt und die Arme hochreißt, lässt mich jedes Mal aufs Neue sprachlos zurück. Sein „JAAAAA“, kurz vor der ersten Strophe in „10 Jahre“, ist genau dieses „JAAAA“, das wir alle seit 2004 vermisst haben, und dass es 2014 und 2015 am Ring und jetzt endlich wieder in euren Wohnzimmern gibt. Dieses „JAAAA“ sagt: „Hör gut zu, ich bin zurück. Ich bin fit wie noch nie und ich lebe. Und ich werde dir jetzt mal zeigen, was ich meine. Verstehst du? Zieh dich warm an!“ Russell legt sein ganzes Selbstvertrauen, seine ganze Präsenz in dieses Wort und verdammt… spätestens jetzt wird jeder, der vorher nur vom Hörensagen erzählt bekommen hat, warum ein Onkelz-Konzert mit nichts anderem vergleichbar ist, wissen, wie der Hase läuft. Es ist ein Energieaustausch par excellence. Kevin, Stephan, Gonzo und Pe mal euch, gleich ONKELZ. Stephans: „Es braucht zwei Dinge, für einen geilen Abend: Eine gut aufgelegte Band, und euch!“ bringt es immer wieder auf den Punkt. Die Stimmung ist ausgelassen, fast enthemmt. Kevin hat sich den ganzen Tag sehr auf die Show in seiner Heimatstadt gefreut. Er ist voller Euphorie. Genauso Pe, Stephan und Gonzo. Diese Band hat eine ganz besondere Chemie, die gefühlt werden kann – so haben wir es schon mal geschrieben. Und es ist tatsächlich so. Jeder, der die Onkelz zu seiner Lieblingsband zählt, kann das fühlen.

Ich persönlich finde, dass Hamburg sich von seiner feinsten Seite gezeigt hat. Ebenfalls auffällig war gestern, dass das Publikum erneut eine bunte Mischung quer durch den Garten der Subkulturen bot. Und das gehört seit Jahr und Tag ebenfalls zu dem Phänomen der Onkelz: Hier haut sich eben keiner in die Fresse. Hier wird den Leuten aufgeholfen, wenn sie umfallen und hier wird – zusammenfassend geschrieben – aufeinander aufgepasst. Und es wird sich auch mal in den Arm genommen. „Wo auch immer wir stehen“ beweist das, Abend für Abend. Gestern habe ich mir vorgenommen, den Song mal genauer zu beobachten. Und es hat sich gelohnt, denn er bietet über seine Minuten hinweg ein Potpourri verschiedenster Emotionen, die euch und die Band betreffen. Meine zwei Lieblingszeilen aus dem Song sind: „Nirgends daheim, immer allein, und doch bin ich der, der dich hört, wenn du schweigst“ und „Nichts ist für die Ewigkeit, gesungen von Dir – ist Zeit unseres Lebens unser Anker im hier“. Hier muss man sich nur eure Gesichter angucken. Der Song ist erst wenige Wochen alt und schon jetzt ein echter Klassiker. Hamburg, ihr saht toll aus, wie ihr euch umarmt habt, wie ihr den Song mitgesungen habt – wie ihr ihn zum Leben erweckt habt.  Das gilt ausnahmslos für alle Songs des gestrigen Abends und für jeden Moment. Für die leisen, die lauten und die sehr lauten Momente von diesem Teil der Memento-Tour.

Dennis Diel

Fotocredits:

www.christianthiele.de

9 comments

  1. marko - 15. Dezember 2016 16:14

    Morgen Berlin…MEGA

    Antworten
    • Steffi - 16. Dezember 2016 15:22

      Wie ick ma freu
      4std noch *hüpf aufgeregt auf ihrem Stuhl hin und her*

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  2. Uschj - 15. Dezember 2016 14:22

    Nen schönen guten Tag „Böhse Onkelz“
    Das ist aber nett von Euch,das Ihr mich nach Hamburg gerufen habt!
    Das war das „BEST,bestestes,Konzert,das ich je erleben durfte!
    Nicht nur weil Ihr,sooo gut drauf wart,auch die Stimmung,die ich mit Euch erleben durfte,wird bis in alle Ewigkeit in mir bleiben.
    Vielen,DANK,dafür,ich wünsche Euch weiterhin „GESUNDHEIT und alles GUTE“
    Lieber Gruss aus Zürich
    Uschj

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  3. David - 15. Dezember 2016 14:12

    Leute,ich muß es einfach kurz loswerden:
    morgen und am Samstag spielen die Onkelz in Berlin- und ich kann beide Male nicht hin,weil ich arbeiten muß. Da war nichts zu machen. Schweren Herzens habe ich die Tickets bei ebay verkauft.
    Das ist wirklich grauenhaft!
    Meine Frau sagt zu mir:“Stell Dich nicht so an, Du bist keine vierzehn mehr!“
    Aber doch- genau das bin ich und werde ich in Bezug auf die Onkelz immer sein!
    Zuletzt habe ich sie 2004 im Velodrom in Berlin gesehen- und jetzt kommen sie nach 12 Jahren wieder, und ich…
    Na ja…
    Verzeiht,aber ich musste einfach mal gepflegt jammern.
    So, allen Berlinern wünsche ich 2 tolle Konzerte!
    Denke an Euch,wenige hundert Meter Luftlinie entfernt beim Arbeiten.
    Onkelz,wir sehen uns 2017,hoffentlich!!!

    VIVA LOS TIOZ!!!!

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  4. Kornmeier - 15. Dezember 2016 12:20

    Habe noch zwei Tickets für München über. Sitzplatz.
    20.12.
    Originalpreis versteht sich!
    Bitte hier melden oder eB… Kleinanzeigen schauen

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  5. Kai Schmidt - 15. Dezember 2016 09:53

    He Leute hab das mal durchgerechnet
    Also passt auf 2014 Hockenheim 2015 Hockenheim 2016 Tour das heisst
    2017 Hockenheim 2018 Hockenheim 2019 Tour
    Wie Geil wäre das den jedes Jahr Onkelz ich bin dabei

    Böhse Grüsse Kai

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  6. Lars - 15. Dezember 2016 09:36

    Genau-so-war-es. Ist-es. Und-wird-es-in-den-Köpfen-der-Anwesenden-manifestiert-bleiben.
    -D A N K E-

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  7. Sigrid Hagel - 15. Dezember 2016 09:01

    Danke lieber Dennis, für diesen schönen Konzert-Bericht, wo jedes einzelne Wort wie ÖL in meiner Seele runter fließt!, und ich denke, dass es vielen anderen Fans ähnlich geht, wenn sie euer Tour-Tagebuch lesen! – Da ihr jetzt schon eine so klasse ROCK-GESCHICHTE auf eurer Memento-Tour geschrieben habt, könnte man daraus glatt ein neues Lehrbuch für Schulkinder basteln ;-) ihr seid eben wirklich die beste Band der Welt! = XXXXL x DANKE!
    Euch und allen Fanz/s auch weiterhin eine traumhafte Vorweihnachtszeit auf eurer Tour :-))

    Herzliche Grüße eure Siggi

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  8. Oli - 14. Dezember 2016 20:10

    Ich möchte an dieser Stelle einen Gruß an Thomas Hess und seine Familie/Tochter senden. In Gedanken sind wir immer noch bei euch!!!

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