Band

40 Jahre Böhse Onkelz: Wenn es nicht wahr ist, dann ist es gut erfunden!

Fünf Jahre lang stand hier, an dieser Stelle, ein Text, der 2015 die Monumentalität von 35 Jahren „Böhse Onkelz“ unterstrichen hat. Jetzt sind wir fünf Jahre weiter und schon mitten im nächsten, im „richtigen“ Jubiläumsjahr. 40 Jahre. VIERZIG. Doch was bedeutet das eigentlich?

„Es war vor langer Zeit, damals waren wir noch Kinder …“

Im Herbst 1980, als uns ein paar Blagen beim Skifahren voller Angst und Ehrfurcht als böse Onkels bezeichneten, waren wir 16 Jahre alt, unerfahren, großmäulig, hungrig. Und während Gleichaltrige aus gutem Hause um gute Noten wetteiferten und als Projektionsfläche der Hoffnungen, Wünsche und Träume der eigenen Erzeuger dienten, drehten drei Kids, die sich zufällig in Hösbach bei Aschaffenburg über den Weg liefen, völlig frei.

Die Rufe der Straße und der Ruf aus England, der vier Buchstaben und ein Ausrufezeichen besaß und PUNK lautete, wurden zum Mantra. Zum gelebten Irrsinn. Und als man zwar jedes Wochenende das „JUZ“ in Frankfurt Bockenheim belagerte, die eigenen musikalischen Künste jedoch nicht mit den Tagträumen, in die man durch viel Bier, Klebstoff und Gras hineinglitt, Schritt halten konnten, stieß durch des Schicksals Willen Matthias „GonzoRöhr zu uns und damit gleichzeitig die Türen zur „richtigen“ Musik ganz weit auf. Aus einer Gang; einer Punk-Bande wurde ab 1981 allmählich eine richtige Band …

„Hunger war die beste Soße – auf unserem Weg: von ganz unten nach ganz oben.“

Unzählige Kisten Bier, Sprit, weiche und harte Drogen, Schlägereien, Liebschaften, vergossenes Blut und Ejakulat. Die Achtziger waren das Jahrzehnt des Wahnsinns. Und während die Welt beinahe erst aus den Fugen geriet und zum Ende der Dekade näher zusammenrückte, schritten wir mit den Onkelz erst durch den Punk und wendeten uns ab, als aus Krawall – Kitsch und aus Kunst – Kommerz wurde.

Die bunten Haare wurden abgeschnitten und die Zeit der stahlkappigen Stiefel brach an. Bomberjacken, Harrington, Fred Perry Polos, Doc Martens. Rülpsend und grimmig blickend. Skinheads, eben. Immer ein bisschen gereizt, prahlend und strahlend wie die Gockel und mitunter auch mit ständiger Lust auf kurze, aber intensive Hahnenkämpfe. Stolz war diffus, nicht greifbar. Und was man mit Anfang 20 noch nicht an eigenen Leistungen erbringen konnte, wurde eben aufs Vaterland projiziert. Wir gerieten zur Hassfigur der Hippies und zum Kultobjekt aller europäischen Glatzen. Als der „Spirit of ’69“ zunehmend den „Geistern von ’33“ wich, war es erneut Zeit, weiterzugehen.

Aus den einstigen Punks und Skins wurden vier erwachsene Männer. Und während sich die Medien angeekelt abwandten, uns mit Scheiße beschmissen und keinem unserer Worte Glauben schenkten, geriet unser Wirken ab den frühen Neunzigern, musikalisch und menschlich, immer größer und bedeutungsvoller.

Aus „bösen Menschen“ und „bösen Liedern“ wurden irgendwann heilende und „Heilige Lieder“. Hass wurde Wut und aus ihr heraus Kreativität. Verzweiflung und: „Wie jetzt weiter?“, wechselten zu „Lieber stehend sterben!“. Und das alles wäre nur eine Randbemerkung, eine schöne Entwicklung hin zum Besseren, aber sonst nichts Besonderes, wenn ihr nicht kontinuierlich bei uns geblieben und mit uns den Weg zum Thron mitgegangen wärt. Ohne euch hätte es keine unzähligen Nummer-eins-Alben gegeben. Keine ausverkauften Westfalen- und Festhallen. Keinen Laustiz- und erst recht keinen Hockenheimring. Kein Phänomen, keinen B.O.S.C., keine Onkelz.

Ja, selbst als es für eine endlos lange Zeit so aussah, als hätten wir uns selbst zerstört, habt ihr unser Andenken geehrt, unsere Fahnen getragen und unsere Lieder gehört. Das klingt alles so sehr nach Märchen, dass es tatsächlich ausgedacht erscheint. Es ist aber wahr. Wir leben seit 40 Jahren den Onkelz-Traum.

Und wenn wir nicht gestorben sind, spielen wir noch weiter.

Danke für alles.

Eure Onkelz